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Einfluss des Klimawandels auf den Mittelmeerraum

Am 28.10.2016 wurde in der Fachzeitschrift “Science” eine Studie zu den Folgen eines Temperaturanstiegs um 1,5 Grad Celsius für das Ökosystem des Mittelmeers veröffentlicht. Die Auswirkungen möglicher Veränderungen der Natur in den nächsten 100 Jahren kämen wahrscheinlich im Mittelmeerraum stärker als in anderen Gebieten der Welt zum Tragen.


Am 28.10.2016 wurde in der Fachzeitschrift “Science” eine Studie zu den Folgen eines Temperaturanstiegs um 1,5 Grad Celsius für das Ökosystem des Mittelmeers veröffentlicht. Die Auswirkungen möglicher Veränderungen der Natur in den nächsten 100 Jahren kämen wahrscheinlich im Mittelmeerraum stärker als in anderen Gebieten der Welt zum Tragen.

 

Die Autoren der Studie, Joël Guiot und Wolfang Cramer vom französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS), haben die Klimaentwicklungen der nächsten 100 Jahre mit einem Computermodell berechnet. Sie stützten sich für ihre Untersuchungen auf Pollenanalysen, die auch für neue Erkenntnisse zum Paleoklima [1] genutzt werden. Die von ihnen untersuchten Pollen aus verschiedenen Ländern des Mittelmeerraums (Südfrankreich, Portugal, Türkei, Marokko) waren unterschiedlich alt. Die Datierung der Pollen gibt darüber Aufschluss, welche Pflanzen und Bäume in einem bestimmten Zeitraum wuchsen. Da sich durch die Vegetation Rückschlüsse auf die Temperaturen und Niederschläge ziehen lassen, konnten die Autoren die Klimaveränderungen vergangener Zeiten bestimmen. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse zogen sie Schlussfolgerungen zur Entwicklung der Vegetation in den nächsten Jahren, da das von ihnen genutzte Model auch die künftigen Temperaturen und Niederschläge berechnet.

 

Verschiedene Varianten der Klimaentwicklung sind möglich. Kann die Klimaerwärmung nicht auf 1,5 Grad begrenzt werden (Ziel des Pariser Abkommens), wird das Klima in Südfrankreich wahrscheinlich mit dem heutigen Klima in Süditalien vergleichbar sein. Ein Temperaturanstieg um mehr als 3 Grad würde die Natur weitaus stärker verändern. Große Städte wie Lissabon und Sevilla wären dann beispielsweise von Wüsten umgeben.

 

Die Folgen für den Mittelmeerraum können wir uns bereits ausmalen, da dort heute schon ein Wassermangel und das Aussterben verschiedener Fischarten festgestellt werden kann. Wachsende Bevölkerung, Touristen, Seeverkehr in diesem Gebiet werden diese Klimaentwicklungen noch weiter vorantreiben. Aus diesem Grund müssen Forscher und Politiker schon heute über wirtschaftliche und soziale Konsequenzen nachdenken.

 

[1] Die Aufgabe der Paläoklimatologie besteht darin, anhand von Messungen, Analysen sowie Datenreihen aus sogenannten Klimaarchiven die klimatischen Verhältnisse der erdgeschichtlichen Vergangenheit in Form einer Klimageschichte zu rekonstruieren und die Mechanismen von Klimawandel-Ereignissen in den verschiedenen Erdzeitaltern zu entschlüsseln.

 

 

Quellen:

 

 

 

 

Redakteur: Luc Massat, luc.massat@diplomatie.gouv.fr