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Wenn Fische Tauben jagen…

Einige Wassertiere entwickeln kühne Strategien, um Beute außerhalb ihres Ökosystems zu fangen. In einem in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlichten Artikel [1] berichtet ein französisches Team, das sich aus Wissenschaftlern von zwei fakultätsübergreifenden Forschergruppen [2] zusammensetzt, über das ungewöhnliche Jagdverhalten von Welsen, den größten Süßwasserfischen Europas: Sie springen aus dem Wasser, um Tauben zu fangen! Dieses Verhalten ähnelt denen der Schwertwale, die sich in spektakulär aussehenden Manövern auf Robben oder Seelöwen stürzen.


Einige Wassertiere entwickeln kühne Strategien, um Beute außerhalb ihres Ökosystems zu fangen. In einem in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlichten Artikel [1] berichtet ein französisches Team, das sich aus Wissenschaftlern von zwei fakultätsübergreifenden Forschergruppen [2] zusammensetzt, über das ungewöhnliche Jagdverhalten von Welsen, den größten Süßwasserfischen Europas: Sie springen aus dem Wasser, um Tauben zu fangen! Dieses Verhalten ähnelt denen der Schwertwale, die sich in spektakulär aussehenden Manövern auf Robben oder Seelöwen stürzen.

 

Von einer Brücke in Albi (Midi-Pyrénées) beobachteten die Autoren der Studie eine kleine Insel im Tarn-Fluss. 1983 waren Welse in diesem Fluss ausgesetzt worden und auf die Insel kommen Tauben, um dort zu trinken und sich zu waschen. In rund 72 Stunden konnten die Forscher 54 Angriffe auf Tauben beobachten, 15 Mal davon waren die Welse erfolgreich. Die Angriffe erfolgten blitzartig: meist dauerten sie weniger als eine Sekunde. In 40 Prozent der Fälle wuchteten die Fische mehr als die Hälfte ihres Körpers aus dem Wasser, ein Risiko, dass bereits bei Schwertwalen untersucht wurde. Allerdings sind es vor allem kleinere Fische, die sich auf die Vögel stürzen. Das kann daran liegen, dass für größere Welse das Stranden im flachen Wasser zu kräftezehrend und gefährlich ist. Die Wissenschaftler vermuten weiterhin, dass die Fische auf Vibrationen im Wasser reagieren, welche die Tauben durch ihre Bewegungen auslösen. Denn die Welse griffen niemals stillstehende Vögel an, selbst wenn diese ganz in ihrer Nähe waren und sie sie eigentlich gut hätten sehen können.

 

Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotopenanalysen von 14 einheimischen Welsen, ihren typischen Beutetieren im Wasser sowie von Tauben zeigten, dass für einige dieser Fische, die Taube mittlerweile zum wichtigsten Element ihrer Ernährung geworden ist. Obwohl die Gründe für diese ungewöhnliche Jagdmethode bislang unbekannt sind, zeigt die Studie jedoch eine bemerkenswerte Anpassung der Welse an ihre neue Umgebung.

 

Video des Angriffs unter: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=blr50zo6byA

 

[1] Cucherousset J, Boulêtreau S, Azémar F, Compin A, Guillaume M, et al. (2012) “Freshwater Killer Whales”: Beaching Behavior of an Alien Fish to Hunt Land Birds. PLoS ONE 7(12): e50840. doi:10.1371/journal.pone.0050840

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0050840

 

[2] Labor für Biodiversität und Evolution – EDB (CNRS/ Universität Toulouse 3/ französische Hochschule für agronomische Ausbildung und das Labor für funktionelle Ökologie und Umwelt– ECOLAB)

 

 

Quelle: Pressemitteilung des CNRS – 6/12/2012 – http://www.cnrs.fr/inee/communication/breves/frederic_santoul2012.htm

Kontakte:

– CNRS Paul Sabatier Universität Toulouse III, Ecolab: funktionelle Ökologie und Umwelt Labor – Frédéric Santoul – +335 61 55 65 75 – frederic.santoul@univ-tlse3.fr

– CNRS Kommunikation – Carine Desaulty –  carine.desaulty@dr14.cnrs.fr oder com@dr14.cnrs.fr

 

Redakteur: Clément Guyot, clement.guyot@diplomatie.gouv.fr